Kreuzweg nach Ivancic


Ein Weg der Erkenntnis und Erneuerung –

Der Kreuzweg und seine Fragen

 

Der Kreuzweg ist mehr als eine spirituelle Tradition – er ist eine Einladung, die Tiefen des eigenen Lebens zu erkunden. 

Jede Station bietet die Möglichkeit, sich den Herausforderungen, Sehnsüchten und inneren Kämpfen zu stellen, die uns täglich begleiten. Hier werden nicht nur die körperlichen Leiden Christi betrachtet, sondern auch die universellen Aspekte menschlicher Erfahrung: Schwäche, Vergebung, Hingabe und Hoffnung.

 

Begleitet von einfühlsamen Fragen, führt dieser Kreuzweg Sie Schritt für Schritt zu einem tieferen Verständnis Ihrer Beziehung zu Gott und zu sich selbst. Die Stationen fordern heraus, sie inspirieren und schenken neue Perspektiven. Ob beim Durchschreiten des Alltags, bei der Akzeptanz von Hilfsbereitschaft oder der Suche nach Trost – jede Station öffnet einen Raum für Reflexion und Erneuerung.

Entdecken Sie, wie dieser Weg nicht nur Lasten sichtbar macht, sondern auch die Möglichkeit, im Licht der Auferstehung wahrhaftig aufzublühen. Lassen Sie sich darauf ein, die Stationen bewusst und offen zu erleben, und finden Sie Trost, Frieden und Zuversicht in der Begegnung mit Christus.

Lassen Sie sich einladen, den Kreuzweg neu zu erleben – als Wegweiser für Ihren Glauben und Ihre persönliche Reise.

 


1. Jesus wird zum Tode verurteilt

DAS I. KREUZ: Die Verurteilung annehmen

Die Menschen um dich, sogar deine allerbesten Freunde, werden über dich urteilen und dich verurteilen. Das bedeutet nicht, dass du immer schuld bist. Immer wirst du aber gerichtet werden. Jetzt wird dir klar, dass auf die Menschen letztlich kein Verlass ist. Sicherer und fester Halt ist allein in Gott. Dieses Kreuz befreit dich von den Menschen, auf die du dich stützt, und lädt dich ein, dich an mich zu lehnen. Wenn dich die Menschen verurteilen, hast du immer noch meine Seite. Denn auch mich haben sie beurteilt und verurteilt. Wehre dich nicht, wenn man über dich richtet. Das Urteil kann dich nicht auslöschen, es lässt dich nicht allein, es bringt dich zu mir und führt dich in die Herrlichkeit. Dieser Schuldspruch ist deine Tür zu mir, zu einer Begegnung mit mir. Jetzt kann dich niemand mehr verurteilen.

Impulsfragen zur 1. Station

Die 1. Station des Kreuzwegs lenkt den Blick auf das Thema Verurteilung und die spirituelle Bedeutung, die sich darin verbirgt.:

  1. Wie gehe ich damit um, verurteilt zu werden? Kann ich es akzeptieren, dass ich ungerecht beurteilt werde, ohne meine Würde zu verlieren?
  2. Wo suche ich sicheren Halt in meinem Leben? Verlasse ich mich zu sehr auf die Zustimmung und Urteile anderer, oder finde ich Trost und Stabilität in Gott?
  3. Wie kann ich die Verurteilung als Chance sehen, Gott näherzukommen? Welche Veränderungen könnte diese Perspektive in meinem Leben bewirken?
  4. Wie reagiere ich, wenn selbst Freunde über mich urteilen? Kann ich in solchen Momenten inneren Frieden bewahren?
  5. Bin ich bereit, mich von dem Bedürfnis zu befreien, ständig auf die Meinung anderer zu achten? Wie kann ich stärker in meinem Glauben und Vertrauen verankert sein?
  6. Erkenne ich in schwierigen Momenten, dass Gott immer an meiner Seite ist? Welche Schritte können mir helfen, diese Gewissheit im Alltag zu leben?
  7. Wie könnte ich lernen, Verurteilung nicht als Ende, sondern als Weg in eine tiefere Verbindung mit Gott und mir selbst zu betrachten?

2. Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich

DAS II. KREUZ: Den Alltag annehmen

Das ist das zweite Kreuz. Nur wenige erkennen es. Viele suchen außergewöhnliche Kreuze. Doch das Kreuz ist einfach da – im Annehmen des Alltags. Der Alltag ist dein Leben und dein Kreuz. Nimmst du es auf dich, erhältst du viele Gnaden, und dein Glaube entfaltet sich rasch.

Impulsfragen zur 2. Station

Die 2. Station des Kreuzwegs lenkt den Fokus auf die Annahme des Alltags als wesentlichen Bestandteil des Glaubensweges.:

 

  1. Wie empfinde ich meinen Alltag – als Bürde oder als Geschenk? Welche Momente im Alltag zeigen mir die Möglichkeit, innerlich zu wachsen?
  2. Sehne ich mich manchmal nach außergewöhnlichen Herausforderungen, anstatt die Bedeutung der täglichen kleinen Kreuze zu erkennen? Wie könnte ich eine neue Perspektive auf die Herausforderungen des Alltags gewinnen?
  3. Wie kann ich den Glauben in meinen gewöhnlichen Tagesablauf integrieren? Welche kleinen Schritte könnten helfen, den Alltag bewusster zu gestalten?
  4. Erkenne ich im Annehmen des Alltags eine Gelegenheit, Gnaden zu empfangen? Welche Veränderungen könnte diese Haltung in meinem Leben bewirken?
  5. Wie kann ich mich mit mehr Geduld und Dankbarkeit dem widmen, was das tägliche Leben mit sich bringt?
  6. Welche Bedeutung hat das Kreuz des Alltags für die Entfaltung meines Glaubens? Gibt es Ereignisse in meinem Leben, die mir geholfen haben, diese Verbindung zu erkennen?

3. Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz

DAS III. KREUZ: Den Mut haben zu fallen

Warum hast du Angst zu fallen? Warum wagst du es nicht, den Menschen in die Augen zu sehen, wenn du eine Niederlage erlitten hast, wenn sie klüger sind als du? Warum fürchtest du dich, wenn dich Sünden belasten? Du möchtest gut durchkommen. Doch wisse: Wenn du fällst, kommst du zu mir. Fürchte dich nicht, das Fallen bedeutet nicht das Ende.

Warum nimmst du es so tragisch, warum schämst du dich? Du fällst, um mir näher zu kommen, damit ich dich aufrichten kann. Wenn du verstehst, dass auch ich gefallen bin, dann wirst du in deinem Fall mein Antlitz erblicken, und wir werden die Sünde und die Niederlage miteinander besiegen. Wichtig ist, beim Fallen nicht allein zu bleiben, sondern meine Nähe zu suchen und zu finden.

Impulsfragen zur 3. Station

Die 3. Station des Kreuzwegs öffnet einen Raum für die Reflexion über Versagen, Scham und die Rolle von Gottes Nähe in diesen Momenten.:

 

  1. Warum habe ich Angst davor zu fallen? Welche Vorstellungen oder Erwartungen an mich selbst tragen zu dieser Angst bei?
  2. Wie reagiere ich, wenn ich Fehler mache oder Niederlagen erleide? Kann ich in diesen Momenten die Möglichkeit erkennen, Gott näher zu kommen?
  3. Welche Rolle spielt Scham in meinem Leben? Wie kann ich lernen, diese Emotion loszulassen und stattdessen auf Gottes Vergebung zu vertrauen?
  4. Bin ich bereit, meine Schwächen und Sünden anzuerkennen, ohne daran zu verzweifeln? Was könnte es für mein Leben bedeuten, im Fallen Gott zu begegnen?
  5. Wie finde ich Gottes Nähe, wenn ich gefallen bin? Welche spirituellen oder persönlichen Praktiken helfen mir, diese Verbindung zu suchen und zu stärken?
  6. Kann ich mir vorstellen, dass auch Niederlagen Teil meines Glaubensweges sind? Wie könnte diese Perspektive meine Beziehung zu mir selbst und zu Gott verändern?
  7. Erkenne ich, dass das Fallen nicht das Ende, sondern eine neue Möglichkeit zur Erneuerung ist? Was könnte mir helfen, diese Wahrheit tiefer zu verinnerlichen?

 


4. Jesus begegnet seiner betrübten Mutter

DAS IV. KREUZ: Geliebte Menschen betrüben zu müssen

Es ist unmöglich, Menschen, die dich lieben, nicht zu enttäuschen. Du kannst sie aber davor nicht verschonen. Lehne dieses Kreuz nicht ab. Du wirst mich finden, wenn du erlebst, dass du deine Freunde betrübt hast. Du siehst, wie ihnen deine Schwierigkeiten Schmerz bereiten. Das macht dir zu schaffen. Meine Mutter hat bei meinem Niedergang verstanden, wer ich bin. In ihr starb auch der letzte Wunsch, dass ich Erfolg habe, aber ihr Glaube entfaltete sich zu voller Größe.

Einen wahren Freund erkennst du dann, wenn er zu dir hält, auch wenn niemand mehr etwas Lobenswertes an dir findet. Dann meint er nur mehr dich. Akzeptiere das Anstoßerregende an dir. Akzeptiere es, dass du andere enttäuschst, und du wirst mir und meiner Mutter begegnen.

Impulsfragen zur 4. Station

Die 4. Station des Kreuzwegs beleuchtet das Thema, geliebte Menschen betrüben zu müssen, auf eine tief spirituelle Weise.:

 

  1. Wie gehe ich damit um, geliebte Menschen zu enttäuschen? Kann ich die Tatsache akzeptieren, dass es unvermeidlich ist, andere zu verletzen, ohne dabei ihre Liebe zu verlieren?
  2. Sehe ich in Momenten, in denen ich andere betrübe, eine Gelegenheit zur Begegnung mit Gott? Wie kann ich in solchen Momenten Trost und Kraft finden?
  3. Bin ich bereit, das Anstoßerregende an mir zu akzeptieren? Wie kann diese Akzeptanz zu einer tieferen Verbindung mit mir selbst und mit meinen Mitmenschen führen?
  4. Was bedeutet es für mich, einen „wahren Freund“ zu erkennen? Habe ich Menschen in meinem Leben, die mir treu bleiben, auch wenn ich sie enttäusche?
  5. Wie kann ich den Schmerz derjenigen, die mich lieben, als Ausdruck ihrer tiefen Verbundenheit erkennen, anstatt ihn nur als Last zu empfinden?
  6. Welchen Glauben oder welche Einstellung könnte ich von Maria lernen, die ihren Sohn in seinem Leiden dennoch voller Größe unterstützt hat?
  7. Kann ich die Vorstellung annehmen, dass aus Enttäuschung tieferer Glaube und größere Liebe entstehen können? Welche Rolle spielt Vergebung.

 


5. Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

DAS V. KREUZ: Zulassen, dass man dir hilft

Gekommen ist nur jemand, den man genötigt hat. Ich sehnte mich nach Hilfe aus Mitleid und Liebe, Simon musste man zwingen, mir zu helfen. Niemanden zu haben, der aus Liebe mit dir leidet, ist ein Kreuz. Wenn du dieses annimmst, dann bist du in deinem Leid nicht mehr allein, denn ich bin bei dir. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24)

Und noch etwas: Habe Mut, dir von anderen helfen zu lassen. Ich habe es auch getan, wo ich doch allmächtig bin. Lass es geschehen, dass dich andere übertreffen, dass sie sich deiner annehmen, dass du sie brauchst. Das ist das Kreuz und ihm kannst du nicht ausweichen. Wisse, dass dies eine Tür zu mir ist! Wundere dich also nicht, wenn sich alles in dir diesem Kreuz widersetzt: „Denn das Begehren des Fleisches richtet sich gegen den Geist, das Begehren des Geistes aber gegen das Fleisch.“ (Gal. 5, 17). Nimm also dein Kreuz und folge mir nach, dann bist du bei mir.

Impulsfragen zur 5. Station

Die 5. Station des Kreuzwegs regt dazu an, die Themen Hilfe, Demut und Abhängigkeit in einer neuen Perspektive zu betrachten.:

 

  1. Fällt es mir schwer, Hilfe von anderen anzunehmen? Warum sträube ich mich möglicherweise dagegen, Unterstützung zuzulassen?
  2. Wie reagiere ich darauf, wenn ich jemanden brauche, aber die Hilfe nicht aus Liebe, sondern aus Zwang kommt? Wie kann ich dennoch Dankbarkeit empfinden?
  3. Habe ich den Mut, Schwäche zu zeigen und meine Abhängigkeit von anderen anzunehmen? Wie kann ich das als einen Akt der Demut verstehen?
  4. Sehe ich in meiner Hilfsbedürftigkeit eine Möglichkeit zur Begegnung mit Gott? Wie kann ich lernen, diese Momente als spirituelle Chancen zu nutzen?
  5. Wie kann ich mich von dem Wunsch befreien, mich immer selbst beweisen zu müssen? Welche Rolle spielt Hingabe in meinem Leben?
  6. Bin ich bereit, zuzulassen, dass andere mich übertreffen oder mir überlegen sind? Wie kann ich dies mit innerem Frieden annehmen?
  7. Verstehe ich, dass das Annehmen von Hilfe ein Weg ist, Gott näher zu kommen? Welche Erfahrungen haben mir geholfen, diese Wahrheit zu erkennen?

6. Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch

DAS VI. KREUZ: Gutes annehmen ohne Gegenleistung

Ein Kreuz ist es, zuzulassen, dass dir die Menschen Gutes tun, ohne dass du die Möglichkeit hast, es ihnen zu vergelten. Habe Mut und tu das, was du bei mir gesehen hast. Lass es zu, dass du etwas schuldig bleibst. Man braucht nicht alles zu bezahlen. Gib als Gegenleistung dich selbst. Lerne es, dich beschenken zu lassen, ohne im Krämergeist an Revanche zu denken. Dies ist eine Tür zu mir: die Beschämung erdulden, wenn du nicht geben kannst. 

So findet eine Begegnung mit mir statt, und du erkennst den Vater, denn auch ihm kannst du nicht vergelten, was er dir schenkt. Er ist wie eine Quelle, die ihr Wasser umsonst verströmen lässt. Wenn du so bist, dann bist du ein Kind meines Vaters. Nimm auch dieses Kreuz an, Gott seine ganze Liebe nicht erstatten zu können. Sei wie ein Kind, das die Güte von Vater und Mutter genießt.

 

Impulsfragen zur 6. Station

Die 6. Station des Kreuzwegs regt dazu an, sich mit den Themen Großzügigkeit, Demut und Dankbarkeit zu beschäftigen. 

 

  1. Fällt es mir schwer, Gutes anzunehmen, ohne etwas zurückzugeben? Was hält mich davon ab, mich einfach beschenken zu lassen?
  2. Kann ich es akzeptieren, anderen etwas „schuldig zu bleiben“? Wie könnte mich diese Haltung zu mehr Demut führen?
  3. Wie kann ich lernen, mich von einem „Krämergeist“ zu lösen? Welche Rolle spielt Großzügigkeit, sowohl im Geben als auch im Annehmen, in meinem Leben?
  4. Sehe ich Gottes Gaben als Geschenk, das ich nicht vergelten kann? Wie kann ich eine tiefere Dankbarkeit für diese unendliche Liebe entwickeln?
  5. Welche Situationen in meinem Leben erfordern Mut, um Beschämung zu ertragen und Gutes anzunehmen? Wie gehe ich mit solchen Momenten um?
  6. Kann ich das Annehmen als einen Weg zu Gott sehen? Welche Erfahrungen habe ich gemacht, die mich dieser Perspektive näherbringen?
  7. Wie kann ich die Haltung eines Kindes einnehmen, das sich einfach über die Güte von Vater und Mutter freut? Was bedeutet diese kindliche Offenheit für meine Beziehung zu Gott?

 


7. Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuz

DAS VII. KREUZ: Rückfällig werden

Fällst du das erste Mal, hast du noch immer eine Ausrede, doch wenn du ein zweites Mal schwach wirst, dann kann dir jeder nachweisen, dass du nichts taugst. Du wirst dich gegen dieses Kreuz stemmen, wirst alles wieder gutmachen und dich rechtfertigen wollen. Aber das entfremdet dich mir. Damit nämlich bezeugst du nicht mich, sondern dich, damit willst du nur die eigene Kraft beweisen. Sei dir bewusst, dass du immer wieder fallen wirst, aber ich werde dich aufheben. Dann wird man sagen: Schau, jemand hat ihm aufgeholfen.

Dein siebentes Kreuz besteht darin, dass du deine Schwäche zugibst. Fürchte dich nicht zu fallen, sondern wende dich mir zu. Wenn du dieses Kreuz annimmst, findest du mich darin, denn nur das bloß Menschliche erleidet hier eine Niederlage, der Geist aber obsiegt.

 

Impulsfragen zur 7. Station

Die 7. Station des Kreuzwegs regt dazu an, das Thema Schwäche und Rückfall ehrlich zu betrachten und in einem neuen Licht zu sehen.:

 

  1. Wie gehe ich mit meinen eigenen Schwächen um? Bin ich bereit, sie einzugestehen, oder versuche ich, sie zu verstecken oder zu leugnen?
  2. Warum fällt es mir schwer, Rückschläge zu akzeptieren? Was hindert mich daran, sie als Teil des menschlichen Lebens anzunehmen?
  3. Habe ich den Wunsch, alles „wieder gutzumachen“, um meine Stärke zu beweisen? Wie könnte ich stattdessen lernen, mich Gott anzuvertrauen?
  4. Erkenne ich, dass ich immer wieder fallen werde, und nehme ich das als Teil meines spirituellen Weges an?
  5. Wie kann ich darauf vertrauen, dass Gott mich immer wieder aufhebt? Welche Erfahrungen habe ich gemacht, die dieses Vertrauen stärken könnten?
  6. Bin ich bereit, meine Schwäche als Möglichkeit zu sehen, Gottes Stärke zu bezeugen? Wie kann ich mich weniger auf meine eigene Kraft verlassen und mehr auf Gottes Unterstützung vertrauen?
  7. Wie gehe ich mit den Urteilen anderer um, wenn sie meine Rückfälle sehen? Kann ich diese Momente nutzen, um Demut und Offenheit zu zeigen?

 


8. Jesus begegnet den weinenden Frauen von Jerusalem

DAS VIII. KREUZ: Im eigenen Leid andere trösten

Das ist das Kreuz, das eigene Leiden überwinden und dahinter die Freiheit erblicken. Kein Schmerz ist letztlich tragisch.

Tragisch ist die Herzenshärte und die Blindheit. Nicht zu erkennen, dass hinter jedem Tod die Auferstehung wartet, hinter der Krankheit die Genesung, hinter dem Abschied das Wiedersehen. Zulassen, dass dich Selbstmitleid überfällt, das ist tragisch. Den Sieg erringst du dort, wo du das Leid anderer siehst und Trost spendest, wenn du selber Trost brauchst. Dann kommt für dich der Trost von Gott. Hab Mut, auf menschlichen Trost zu verzichten und die Kraft von Gott zu erbitten. So besiegst du die Welt. So gehst du einen Kreuzweg, aber er führt dich ins Leben. Wenn du selber verwundet bist und Schmerzen hast, aber andere tröstest, dann findest du mich, und ich werde deine Stütze sein.

 

Impulsfragen zur 8. Station

Die 8. Station des Kreuzwegs bietet tiefgehende Impulse über Leiden, Trost und die Fähigkeit, anderen zu helfen, selbst wenn man selbst Trost benötigt.:

 

  1. Bin ich bereit, mein eigenes Leid zu überwinden, um hinter dem Schmerz die Freiheit zu erkennen? Welche Schritte könnte ich unternehmen, um über meinen Schmerz hinauszuwachsen?
  2. Verfalle ich manchmal in Selbstmitleid? Wie kann ich diese Haltung überwinden und stattdessen aktiv nach Hoffnung und Erneuerung suchen?
  3. Wie kann ich in meinem Leid anderen Trost spenden? Welche Rolle spielt Empathie und Mitgefühl dabei?
  4. Habe ich den Mut, auf menschlichen Trost zu verzichten und die Kraft von Gott zu erbitten? Wie könnte diese Einstellung mein Leben verändern?
  5. Erkenne ich die „Blindheit des Herzens“ in meinem Leben? Gibt es Momente, in denen ich die Hoffnung auf Genesung oder Auferstehung nicht sehen kann, und wie könnte ich diesen Blick ändern?
  6. Kann ich den Sieg darin sehen, andere zu trösten, obwohl ich selbst Trost benötige? Welche Erfahrungen habe ich bereits gemacht, die diese Wahrheit bestätigen?
  7. Wie kann ich Gott als meine Stütze in Zeiten des Leidens erleben? Welche Schritte führen mich näher zu einer spirituellen Verbindung und zu göttlichem Trost?

 


9. Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

DAS IX. KREUZ: Eine totale Niederlage erleiden

Es kommt der Augenblick, wo man dir sagen wird: „Von dir ist nichts mehr zu erwarten. Aus!“ Du selbst wirst denken: „Ich kann nicht mehr.“ Es kommt der Augenblick deiner vollkommenen Hilflosigkeit. Das ist der Zeitpunkt deiner Kapitulation, der Erkenntnis, am Ende zu sein. Wirst du da die Hoffnung sinken lassen? Fürchte dich nicht. Es gibt noch eine Tür und hinter ihr wirst du mir von neuem begegnen. Wenn du nicht mehr mit dir selbst rechnen kannst, dann bin ich da. Du wirst aus tiefster Seele nach mir schreien, und ich werde antworten.

Ein Kreuz ist es, endgültig zu verlieren und verlassen zu sein, wenn keiner mehr etwas auf dich setzt, wenn man dich aufgibt. Wenn du dieses Kreuz aber annimmst, werde ich dich mit meiner Gegenwart und Kraft überraschen. Du wirst in meinem Namen bis ans Ende der Welt gehen. Wirst du dieses Kreuz annehmen? Sorge dich nicht, denn ich bin bei dir. Ich habe die Welt besiegt.

 

Impulsfragen zur 9. Station

Die 9. Station des Kreuzwegs bietet einen tiefgründigen Anlass, über das Thema Niederlage und Hoffnungslosigkeit zu reflektieren.:

 

  1. Wie gehe ich mit der Erfahrung von Niederlagen um? Gibt es Momente, in denen ich mich hilflos gefühlt habe, und wie kann ich diese als Gelegenheit sehen, Gott näherzukommen?
  2. Habe ich in meiner tiefsten Verzweiflung schon einmal nach Gott gerufen? Was hat mir in solchen Situationen geholfen, Hoffnung zu finden?
  3. Wie kann ich die Hilflosigkeit als eine Brücke zur Begegnung mit Gott verstehen? Welche Schritte könnten mir dabei helfen, diese Perspektive anzunehmen?
  4. Wie reagiere ich darauf, wenn andere mich aufgeben oder ich selbst das Gefühl habe, nicht mehr weiterzukommen? Welche Rolle spielt mein Vertrauen in Gott in solchen Situationen?
  5. Bin ich bereit, das Kreuz der Niederlage anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass Gott mich mit seiner Kraft überrascht? Welche inneren Widerstände hindern mich daran, dieses Vertrauen zu entwickeln?
  6. Wie kann ich die Erkenntnis, „am Ende zu sein“, nicht als Hoffnungslosigkeit, sondern als Beginn einer neuen Erfahrung mit Gott betrachten?
  7. Sehe ich Niederlagen als Teil eines göttlichen Plans für mein Leben? Wie kann ich sie als Chancen zur Erneuerung und zum Wachstum verstehen?

 


10. Jesus wird seiner Kleider beraubt

DAS X. KREUZ: Zulassen, dass man dich entkleidet

Ich ließ es zu, dass man mich auszog, dass man mir auch das Intimste nahm. Ich ließ es geschehen, dass man sich über mein Schamgefühl hinwegsetzte und meine Intimsphäre verletzte. Du willst wenigstens irgend etwas für dich allein haben, ein Stück Welt, das dir allein gehört, wo niemand Zutritt hat. Du willst etwas haben, was niemand sehen soll, man würde sonst deine Ehre antasten. Du wirst es hüten und vor den Augen anderer verbergen. Du wirst meinen, ein Recht darauf zu haben. Du möchtest es um jeden Preis behalten, als das Intimste, was dir gehört, und du wirst darum kämpfen. 

Doch es kommt der Augenblick wo du nichts mehr für dich retten kannst. Es gibt Situationen, in denen man alles auslassen muss, nichts gehört dir mehr allein. Man nimmt dir das Letzte weg. Du musst auch durch dieses Kreuz hindurch. Schenke Gott alles. Als einzige unberührbare Intimität bleiben wir dir, mein Vater und ich.

Nicht nur das ist ein Kreuz, wenn der Leib gewaltsam entkleidet wird. Noch schmerzhafter ist es, wenn man dir die Seele entkleidet. Die Sünden haben dir schon längst die Hülle weggenommen und du schämst dich. Nimm dieses Kreuz an, und niemand wird dich mehr entehren können. Gestatte es dem Vater, dir ein neues Kleid zu geben. Gib ihm deine Intimität hin, er wird sie in vollkommene Unschuld verwandeln. Du bemühst dich umsonst, schuldlos zu bleiben. Heute gesteh dir ein, dass du dazu zu schwach bist.

Das ist das zehnte Kreuz – das Kreuz der mit Füßen getretenen Scham, der Sehnsucht nach Unschuld, das Kreuz der Angst, dass jemand von deiner Schuld erfahren könnte. Nimm dieses Kreuz an, und du wirst mir begegnen. Deine Angst wird schwinden. Gib zu, schwach zu sein, nicht anders als du bist: ein durch die Sünde entehrter Mensch. Gestehst du das ein, kann dir niemand mehr etwas anhaben.

 

Impulsfragen zur 10. Station

Die 10. Station des Kreuzwegs bietet eine kraftvolle Reflexion über Verletzlichkeit und Hingabe.:

 

  1. Was bedeutet es für mich, alles loszulassen, was ich als „mein Eigenes“ betrachte? Gibt es Bereiche in meinem Leben, in denen ich mich zu sehr an Besitz, Ehre oder Intimität klammere?
  2. Wie gehe ich mit dem Gefühl der Scham um? Gibt es Dinge in meinem Leben, die ich vor anderen oder vor Gott verbergen möchte, und warum?
  3. Bin ich bereit, Gott alles zu schenken, auch das, was ich als das Intimste und Wertvollste empfinde? Wie könnte diese Hingabe mein Leben verändern?
  4. Wie kann ich die Angst vor Entblößung – sei es körperlich oder seelisch – überwinden? Welche Rolle spielt Vertrauen in Gott dabei?
  5. Was bedeutet es für mich, „ein neues Kleid“ von Gott zu empfangen? Wie kann ich die Vorstellung von Vergebung und Erneuerung in meinem Leben annehmen?
  6. Erkenne ich meine eigene Schwäche und die Notwendigkeit, mich Gott anzuvertrauen? Wie kann ich lernen, meine Schwächen nicht als Makel, sondern als Chance zur Begegnung mit Gott zu sehen?
  7. Wie kann ich die Angst vor der Enthüllung meiner Schuld loslassen? Welche Schritte führen mich zu einem Leben in Freiheit und ohne Furcht vor Verurteilung?

 


11. Jesus wird ans Kreuz genagelt

DAS XI. KREUZ: An sein Kreuz geschlagen sein

Solange du das Kreuz trägst, hast du noch immer die Möglichkeit, es abzuwerfen. Doch wenn man dich einmal darauf nagelt, kannst du nicht mehr entrinnen. Jetzt weißt du, das Kreuz ist deine Bestimmung bis zum Tod. Das einzusehen ist schwer. Du würdest deine Kreuze gerne abwerfen, doch du bist an sie genagelt. Sie sind jeweils der Platz, auf dem du sterben wirst. Die Mitmenschen werden dich auf die Kreuze nageln. Erschrickst du oder verlässt du dich ganz auf mich? Es gibt Kreuze, denen du nicht entrinnen kannst. Du mühst dich umsonst, ihnen auszuweichen. Gib diesen sinnlosen Kampf auf und komm zu mir.

Das Sterben mit mir bedeutet Gewinn. Fürchte dich nicht! Gib dich nicht der Täuschung hin, es gäbe eine andere Möglichkeit. Die Kreuze bleiben bis zum Ende, und je früher du dich in das Sterben einfügst, desto früher wirst du auferstehen. Merke dir dieses elfte Kreuz. Denn du bist nicht nur an das Kreuz ein für allemal geheftet, sondern auch an mich. Ich freue mich darauf.

 

Impulsfragen zur 11. STation

Die 11. Station des Kreuzwegs lädt zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Konzept des "angenommenen Leidens" ein.:

 

  1. Was bedeutet es für mich, mein Kreuz zu akzeptieren? Gibt es Herausforderungen oder Belastungen in meinem Leben, denen ich nicht ausweichen kann und die ich anzunehmen lernen muss?
  2. Habe ich die Bereitschaft, mich vollständig Gott anzuvertrauen, auch in Zeiten des Leidens? Welche Schritte kann ich unternehmen, um dieses Vertrauen zu vertiefen?
  3. Welchen sinnlosen Kampf führe ich noch in meinem Leben? Gibt es Situationen oder Beziehungen, in denen ich versuchen sollte, Widerstand aufzugeben und mich Gott zuzuwenden?
  4. Wie gehe ich mit der Vorstellung um, „an mein Kreuz genagelt zu sein“? Welche Ängste oder Widerstände begleiten diese Idee, und wie kann ich damit Frieden schließen?
  5. Sehe ich das Sterben – im übertragenen Sinne – als Gewinn? In welchen Bereichen meines Lebens könnte das Loslassen von Ego, Stolz oder Kontrolle zu einer inneren Auferstehung führen?
  6. Wie kann ich die Verbindung zu Gott in meinem Leben stärker erleben? Welche Rolle spielt die Idee, „an ihn geheftet“ zu sein, in meiner spirituellen Entwicklung?
  7. Welches Kreuz in meinem Leben bleibt bis zum Ende, und wie kann ich es mit Mut und Glauben tragen? Gibt es eine innere Haltung, die mir helfen könnte

 


12. Jesus stirbt am Kreuz

DAS XII. KREUZ: Am Kreuz sterben

Tot. Ich gehe von der Welt, aber nicht ins Nichts, sondern um in neuer Weise zu leben. Durch den Tod erfüllte ich den Willen meines Vaters. Deshalb sagte ich im Sterben: »Vater, in deine Hände gebe ich meinen Geist.« So vollendete ich den Plan des Vaters.

Du meinst, der Tod sei das Ende, und deshalb lebst du in Angst und widersetzt dich dem Gedanken an den Tod. Doch solange du ihn nicht akzeptierst, fühlst du eine Last auf deinen Schultern. Wenn du den Tod annimmst, erringst du den Sieg und kommst zu mir. Ich bin dir fern, solange du den Tod ablehnst und mich bittest, dich davor zu verschonen. Verstehe, der Weg zu mir führt nur über den Tod. Denn der Tod vernichtet alles, was sündhaft und sterblich an dir ist. Ich aber vernichte den Tod selbst. Der Tod befreit dich von den diversen Kreuzen, ich aber vom Tod. Riskiere heute einen Blick in die Augen des Todes. Betrachte dieses Kreuz als ein Geschenk des Vaters, als Erfüllung.

Der Vater hat auch den Tod zugelassen. Wenn du dich also dem Sterben widersetzt, widersetzt du dich dem Vater und mir. Das zwölfte Kreuz ist der Höhepunkt, gleichsam ein Fest, es ist die Vollendung. Es ist der Beginn des eigentlichen Lebens.

 

Impulsfragen zur 12. Station

Diese Fragen können dabei helfen, sich mit den tieferen Dimensionen des Lebens und der Spiritualität auseinanderzusetzen.:

 

  1. Wie gehe ich persönlich mit der Vorstellung des Todes um? Was löst der Gedanke an das Sterben in mir aus – Angst, Widerstand oder Akzeptanz?
  2. Betrachte ich den Tod als Ende oder als Anfang? Wie kann ich den Tod als Übergang zu einem neuen Leben und einer Vollendung sehen?
  3. Was bedeutet es für mich, „den Tod anzunehmen“? Wie könnte eine tiefere Akzeptanz des Lebensendes meine Sicht auf das Leben selbst verändern?
  4. Welche Last trage ich noch auf meinen Schultern, weil ich den Tod nicht akzeptiere? Gibt es Ängste oder Bindungen, die mich daran hindern, mich vollkommen dem Leben und Gott hinzugeben?
  5. Kann ich den Tod als „Geschenk des Vaters“ betrachten? Welche spirituelle Bedeutung hat der Tod in meinem Glaubensleben?
  6. Wie kann ich in meinem Leben den Willen des Vaters erfüllen? Welche Schritte führen mich näher zu einer vollständigen Hingabe und Vertrauen in den göttlichen Plan?
  7. Was bedeutet der Tod der Sünde für mich? Wie kann ich bewusst alte Gewohnheiten oder sündhafte Verhaltensweisen loslassen, um „neu zu leben“?

 


13. Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt

DAS XIII. KREUZ: Die Früchte seiner Arbeit nicht genießen können

Erst als ich tot war, kamen meine Freunde. Verstehe dich als Same für kommende Zeiten. Du aber möchtest gleich die Früchte deiner Arbeit sehen. Meine Jünger sterben oft in Hoffnungslosigkeit und Schande, und nicht sie, sondern andere ernten, was sie gesät haben. Andere erlangen Freunde und Leben.

Für dich ist jetzt der Zeitpunkt, als Same für eine neue Welt zu dienen. Das ist dein Kreuz. Ich schenke dir dazu das nötige Vertrauen, denn Zeit deines Lebens findest du kaum Erfolg. Erst nach deinem Tod wird man dich vom Kreuz nehmen, erst dann wird dir Ehre zuteil. Eine Ewigkeit wird dich kein Kreuz mehr drücken, weil du den Mut gehabt hast, im irdischen Leben an ihm zu hängen. Arbeiten und die Frucht der Arbeit nicht genießen zu können, das ist das dreizehnte Kreuz. Es braucht Mut, Samen auszustreuen, ohne selbst ernten zu können. Doch die Frucht deiner Entsagung bin ich. Ich aber führe dich zur Auferstehung.

 

Impulsfragen zur 13. Station

  1. Bin ich bereit, der Samen für kommende Zeiten zu sein, auch wenn ich selbst keine Früchte sehen werde? Wie kann ich Vertrauen in den Wert meiner Arbeit entwickeln, auch wenn Erfolg nicht sofort sichtbar ist?
  2. Was bedeutet es für mich, „Entsagung“ zu üben? Welche Opfer oder Verzichte könnten in meinem Leben einen größeren Zweck erfüllen?
  3. Habe ich den Mut, meine Aufgabe zu erfüllen, selbst wenn ich dafür keine Anerkennung erhalte? Wie gehe ich mit der Enttäuschung um, wenn Lob oder Resultate ausbleiben?
  4. Sehe ich meine Anstrengungen als Beitrag zu einer größeren, ewigen Mission? Wie kann ich meinen Alltag in diesen übergeordneten Kontext setzen?
  5. Wie gehe ich mit Hoffnungslosigkeit um? Was hilft mir, in schwierigen Phasen den Sinn meines Handelns nicht aus den Augen zu verlieren?
  6. Vertraue ich darauf, dass die Früchte meiner Arbeit von anderen geerntet werden? Kann ich mich darüber freuen, dass mein Wirken auch über mein eigenes Leben hinaus Bedeutung haben kann?
  7. Erkenne ich den Wert von Geduld und Vertrauen im Leben? Wie kann ich diese Tugenden in meinem Alltag stärken?

 


14. Jesus wird ins Grab gelegt

DAS XIV. KREUZ: Menschlich betrachtet ohne Hoffnung leben

Meine Freunde dachten, mir die höchste Ehre erwiesen zu haben, als sie meinen Leib ins Grab legten. Sie sorgten sich um den Leib und vergaßen, was Ich ihnen gesagt habe: „…am dritten Tag werde ich auferstehen“. Das Grab beunruhigt dich. Wenn der Grabhügel errichtet ist, gibt es dich nicht mehr. Wenn hinter dir nicht die geringste Spur bleibt, was wirst du dann tun? Wenn du weißt, dass niemand zu deinem Begräbnis kommt. Wenn du dein Leben unbekannt im Elend beendest, dann bin ich es, der dich sicher kennt.

Es ist ein Kreuz, auch den letzten Wunsch zu begraben, den Wunsch, hier etwas zu gelten. Denn dieser Wunsch hindert dich daran, wirkliche Bedeutung zu haben, für andere Licht zu sein. Wie kannst du Licht sein, solange du dich scheust, die dunkle Eigensucht mit dir zu begraben; solange du zu mir willst, aber hinter dir die Brücken nicht abreißt? Erst dann kann ich nämlich dein Leben umwandeln.

Begrabe deine Wünsche und nimm das vierzehnte Kreuz auf dich. Über ihm schwebt die Auferstehung. Deshalb freue ich mich über den Grabhügel, unter dem dein Hochmut begraben liegt. Du willst noch nicht ins Grab, noch entsetzt dich der Gedanke, die Vorstellung, von deinem Leben zu lassen. Deshalb bist du tot. Nur ein Toter kann auferstehen. Fürchte dich nicht! Was du „Tod“ nennst, ist eine Brücke – von dir – zu mir. Der Tod der Sünde bedeutet Freude und Vereinigung für dich und mich, die Erfüllung aller Wünsche und Sehnsüchte. Ich bin diesen Weg schon gegangen und warte auf dich. Verstehst du nicht, dass ich durch meinen Tod nicht von der Erde gegangen bin, sondern dass sie mir erst jetzt richtig gegeben ist? Vorher war ich auf der Welt nur Gast. Jetzt bin ich Herr. Auch du wirst sein wie ich. Überlasse dem Tod, was ihm ohnedies gehört. Betrachte das Grab nicht mehr als traurigen Schluss, sondern als Geburt und eigentlichen Anfang. Stirb deinen Stolz, und es leuchtet dir auf das Morgenrot des Osterfestes.

 

Impulsfragen zur 14. Station

  1. Was bedeutet es für mich, „meinen Stolz zu begraben“? Gibt es Wünsche oder Vorstellungen, die mich davon abhalten, wirkliche Tiefe oder Bedeutung für andere zu haben?
  2. Was heißt es, „die dunkle Eigensucht zu begraben“? Welche Schritte kann ich unternehmen, um egoistische Verhaltensweisen hinter mir zu lassen?
  3. Betrachte ich das Grab als Ende oder als Anfang? Wie kann ich die Vorstellung von Tod und Verlust als Übergang zu etwas Neuem und Hoffnungsvollen sehen?
  4. Welche Brücken habe ich noch nicht abgerissen? Gibt es etwas, das mich daran hindert, meinen Weg mit Gott vollständig zu gehen?
  5. Wie gehe ich mit der Angst vor dem „Loslassen“ um? Welche Veränderungen im Leben erscheinen mir erschreckend, und wie kann ich sie mutig annehmen?
  6. Bin ich bereit, meinen alten Wunsch nach Bedeutung und Anerkennung abzulegen? Wie kann ich für andere Licht sein, ohne mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen?
  7. Erkenne ich die Bedeutung der Auferstehung? Was bedeutet die Auferstehung für mein eigenes Leben und meine persönliche Erneuerung?

 


Ivancic, Tomislav:

Folge mir nach: Begegnung mit Jesus auf dem Kreuzweg. 

Zagreb : Krscanska Sadasnjost, 1988. 47 S.; 17 cm kart. ISBN: 8639700516 (EAN: 9788639700515 / 978-8639700515)

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